Was kommt nach der Schule? Für Schüler der Marienschule Goldenstedt gibt es darauf seit Jahren eine handfeste Antwort, dank eines Lehrers, der die Verbindung zur regionalen Wirtschaft zu seiner Hauptaufgabe gemacht hat.
Jedes Jahr im Februar stellt Alexander Seddig Neuntklässler vor eine Entscheidung: Welcher Betrieb in Goldenstedt und Umgebung interessiert euch, und warum? Die Antwort darauf bestimmt, wie ihre Projektwoche aussieht. Seddig ist Lehrer und Fachbereichsleiter Wirtschaft an der Marienschule Goldenstedt, einer Oberschule im Landkreis Vechta. Bekannt geworden ist er in der Region durch die „Woche der Berufsausbildung”, ein Berufsorientierungsprogramm, das er seit 2020 gemeinsam mit der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Goldenstedt aufbaut.
Was die Projektwoche konkret bedeutet
Das Programm funktioniert ohne großen Aufwand an Theorie. Schüler des 9. Jahrgangs wählen aus einem Angebot regionaler Betriebe diejenigen aus, die sie persönlich interessieren, und tragen sich verbindlich ein. Die Besichtigungen finden nachmittags statt. Jeder Betrieb gestaltet seinen Besuch selbst, was die Formate je nach Unternehmen stark variieren lässt.
Ablauf der Projektwoche im Überblick
- Schüler des 9. Jahrgangs wählen eigenständig aus dem Betriebsangebot, die Anmeldung ist verbindlich
- Bei freien Kapazitäten können auch Schüler des 10. Jahrgangs teilnehmen
- Besichtigungen finden nachmittags statt, Formate variieren je nach Betrieb
- Vorträge, Rundgänge durch Produktionsstätten, Azubi-Präsentationen, praktische Aufgaben
- Lehrkräfte und Seddig begleiten die Besuche als schulische Betreuung
- Aus den Besichtigungen entstehen regelmäßig konkrete Praktika und weiterführendes Ausbildungsinteresse
„Die Betriebsbesichtigungen waren sehr unterschiedlich aufgebaut”, beschreibt Seddig den Ablauf. „In manchen Betrieben gab es klassische Vorträge, in anderen Führungen durch Produktionsstätten oder interaktive Einheiten, in denen die Jugendlichen selbst praktisch tätig werden konnten.” Das Ergebnis, das er dabei immer wieder beobachtet: „Viele haben Berufe kennengelernt, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten.”
Die Zahlen: Vom Pandemieneustart zur festen Institution
2020 wurde das Programm nach langer Pause wieder aufgesetzt. 2021 fiel es coronabedingt vollständig aus. 2022 startete es unter Pandemieauflagen neu, einige Betriebe sagten kurzfristig ab. Dennoch nahmen 13 Unternehmen teil, und im selben Jahr fand an der Marienschule erstmals seit über zehn Jahren wieder eine Jobmesse statt. Danach wuchs das Programm Jahr für Jahr.
13 Betriebe
2022
19 Betriebe
2023
20+ Betriebe
2025 / 2026
2023 empfing Bürgermeister Alfred Kuhlmann die Schüler und Organisatoren offiziell im Rathaus der Gemeinde. 2026 wurde das Spektrum erstmals um soziale Einrichtungen erweitert. Seddig dazu: „Gerade die neuen sozialen Einrichtungen haben das Angebot sinnvoll ergänzt.”
Die Woche der Berufsausbildungen ist eine gewinnbringende Möglichkeit zur Vernetzung unserer Schülerinnen und Schüler mit den umliegenden Firmen der Gemeinde.
Alexander Seddig — Fachbereichsleiter Wirtschaft, Marienschule Goldenstedt
Das Gütesiegel: Was die Auszeichnung bedeutet
Im Januar 2024 erhielt die Marienschule Goldenstedt das Gütesiegel „Startklar für den Beruf – Weser-Ems macht Schule”. Vergeben wird es an Schulen, die ein über Jahre aufgebautes, nachweisbares Berufsorientierungskonzept vorweisen können. Die Verleihung fand im Rathaus Goldenstedt statt. Die Jury bestand aus einer Fachberaterin für Berufsorientierung des Landkreises Vechta, einer weiteren Landkreisvertreterin, einem Unternehmer sowie dem Schulleiter einer Nachbarschule.
Seddig war als Organisator und Koordinator offiziell Teil der Zeremonie, neben Schulleiter Axel Krämer und dem Co-Koordinator Jürgen Kathmann. In seiner Stellungnahme zur Auszeichnung sagte er: „Die Auszeichnung ist einerseits Belohnung aller beteiligten Personen, andererseits auch eine große Wertschätzung in Richtung der Betriebe, die motiviert und engagiert Berufsorientierung in der Schule mitdenken.”
Chronologie: Von 2020 bis heute
- 2020 Neustart der Projektwoche„Woche der Berufsausbildung” wird nach langer Pause in Kooperation mit der MIT Goldenstedt wieder aufgenommen.
- 2021 Coronabedingter AusfallBetriebsbesichtigungen können pandemiebedingt nicht stattfinden.
- 2022 Neustart unter Auflagen, 13 BetriebeDurchführung trotz Absagen. Erstmals seit über zehn Jahren findet an der Marienschule auch wieder eine Jobmesse statt.
- 2023 19 Unternehmen, Empfang im RathausBürgermeister Kuhlmann empfängt Schüler und Organisatoren offiziell. 9. und 10. Jahrgang nehmen teil.
- Januar 2024 Gütesiegel „Startklar für den Beruf”Verleihung im Rathaus Goldenstedt. Im gleichen Jahr werden über 20 Betriebsbesichtigungen in der Projektwoche durchgeführt.
- 2025 Über 20 Betriebe, Praktika entstehen direktAus den Besichtigungen gehen konkrete Praktikumsvereinbarungen hervor. Neuer MIT-Vorsitzender: Phillipp Geduldig als Co-Organisator.
- 2026 Erweiterung auf soziale BerufsfelderErstmals nehmen auch soziale Einrichtungen teil. Das Programm wird zur verlängerten Projektwoche ausgebaut.
Sechs Jahre, sieben Durchläufe, ein coronabedingter Ausfall und wachsende Beteiligung Jahr für Jahr. Was Alexander Seddig in Goldenstedt aufgebaut hat, ist kein Schulprojekt auf Zeit. Es ist inzwischen Teil des Schulprogramms, mit offiziellem Gütesiegel und direktem Draht zur regionalen Wirtschaft. Für Schüler, die vor der Berufswahl stehen, bedeutet das: eine Woche, die mehr leistet als jedes Unterrichtsgespräch über Ausbildungsberufe.



