Videos auf YouTube erklären die “Bares für Rares”-Händlerin seit Juli 2025 für tot. Die Szenarien wechseln ständig. Steiger selbst musste irgendwann öffentlich klarstellen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Mehr als zwanzig besorgte Anrufe. Unzählige Mails. Und schließlich jemand, der tatsächlich an ihrer Haustür klingelt und fragt, ob sie noch lebt. Das war der Punkt, an dem Susanne Steiger das Schweigen brach und sich öffentlich auf Instagram meldete. Ihr Statement war kurz: “Ja, ich lebe.” Sie habe weder einen schweren Unfall erlebt, noch sei sie krank. Alles Fake News.
Der Auslöser war eine gezielte Betrugsmasche, die im Sommer 2025 die “Bares für Rares”-Besetzung systematisch traf. Journalist Florian Thalmann dokumentierte das Ausmaß am 5. Juli 2025 im Berliner Kurier: Auf YouTube kursierten mehrere Videos, die Steiger für tot erklärten, jeweils mit einer anderen Geschichte.
Wer ist Susanne Steiger
Susanne Steiger, geboren am 9. Oktober 1982 in Aachen, wuchs in Bornheim im Rheinland auf. Ihr Vater führte ein Pfandhaus, ihr Gespür für Schmuck und Wertgegenstände entwickelte sich früh. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Steuerfachwirtin, wurde später zertifizierte Juwelierin und Diamantgutachterin.
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Geboren | 9. Oktober 1982, Aachen |
| Bares für Rares | Händlerin seit 2014 |
| Geschäfte | Kerpen und Bornheim |
| Zertifizierung | Diamantgutachterin |
Seit 2014 sitzt sie im Händlerraum der ZDF-Trödelshow “Bares für Rares”, die täglich mehr als drei Millionen Zuschauer erreicht. Daneben betreibt sie zwei eigene Schmuckgeschäfte und ist begeisterte Springreiterin.
Die Fake-Videos
Wechselnde Geschichten, immer dasselbe Ziel
Die Videos wirkten auf den ersten Blick professionell: Nachrichtensprecher-Ton, dramatische Untermalung, echtes Archivmaterial. Dahinter steckte Künstliche Intelligenz. Anonym produzierende Scammer, vermutlich im Ausland, generierten diese Clips in Serie und stellten sie auf YouTube.
Was die Videos behaupteten
- Autounfall auf der A61 in Richtung Koblenz, mit erfundenen Dashcam-Aufnahmen und einem fingierten Polizeibericht
- Herzinfarkt oder Schlaganfall, ohne jede medizinische Quelle
- Heimliche Krebserkrankung über längere Zeit
- Ein Video legt Horst Lichter erdichtete Trauerworte in den Mund
Jedes dieser Szenarien widersprach dem anderen. Das System dahinter ist simpel: Pro 1.000 YouTube-Aufrufe fließen ein paar Euro in Werbeeinnahmen. Bei viraler Reichweite summiert sich das erheblich. Weil die Täter meist im Ausland operieren, ist die strafrechtliche Verfolgung schwierig.
Nach dem zwanzigsten besorgten Anruf, unendlich vielen Mails und letztendlich dem Klingeln an meiner Haustüre und den Fragen, ob ich noch lebe: Ja, ich lebe.
Susanne Steiger, Instagram-Statement, Sommer 2025 (Quelle: Berliner Kurier, 05.07.2025)
Kein Einzelfall
Die gesamte “Bares für Rares”-Besetzung im Visier
Steiger war nicht die erste. Moderator Horst Lichter wurde in einem Video in eine Lawinenkatastrophe im Karakorum-Gebirge hineingefabuliert. Wolfgang Pauritsch und Walter “Waldi” Lehnertz traf dasselbe Muster. Händler Fabian Kahl berichtete dem Berliner Kurier im August 2025, dass eine zweite Welle an Videos inzwischen noch weitergehe: Statt eines erfundenen Todes schrieben ihm Clips nun schwere Straftaten zu, darunter Pädophilie und Verbindungen zum Verschwinden dreier Frauen. Alle Beteiligten sind gesund.
Warum trifft es gerade dieses Format? “Bares für Rares” läuft täglich, hat eine treue Zuschauerschaft mit emotionaler Bindung an die Händler. Wer diese Menschen kennt und plötzlich von einem angeblichen Tod liest, klickt. Und genau das zählt.
Was die Fakten sagen
Susanne Steiger: aktueller Stand
Verifizierte Belege
- Instagram @susanne_steiger: Schmuckfoto vom 10. November 2025, mehr als 2.400 Likes
- T-Online berichtete im Januar 2026 über eine neue ZDF-Folge, in der Steiger mehrere Schmuckstücke kaufte
- ZDF strahlt “Bares für Rares” mit Steiger in aktuellen Folgen weiterhin aus
- Kein einziges seriöses Medium, weder ZDF noch ein großes Nachrichtenportal, meldete je einen Todesfall
So erkennt man diese Videos
Warnsignale im Überblick
- Kein Impressum auf dem YouTube-Kanal
- Die Todesursache wechselt zwischen verschiedenen Videos
- Kein Bericht bei ZDF, großen Nachrichtenportalen oder der eigenen Person
- KI-Stimme statt echter Journalisten, Stockfotos als “Beweise”
- Reißerische Thumbnails mit fingiertem Datum oder Ort
Eine Suche nach dem Namen plus “ZDF” oder dem Instagram-Account der Person reicht meistens aus, um solche Behauptungen innerhalb von Sekunden zu widerlegen. Dass es trotzdem Fans gab, die an Steigers Haustür standen, zeigt, wie glaubwürdig diese Videos wirken können.
Susanne Steiger steht heute, im Mai 2026, hinter dem Händlerpult in Pulheim bei “Bares für Rares”, führt ihre Schmuckgeschäfte in Kerpen und Bornheim und hat es nicht verdient, monatlich für tot erklärt zu werden. Wer solche Videos teilt, ohne sie zu prüfen, finanziert genau das Geschäftsmodell, das sie produziert. Die Susanne Steiger Todesursache existiert nicht, weil es keinen Tod gibt.



