Sie wuchs in Köln auf, trainierte in New York bei den Besten der Branche und wurde einem deutschen Millionenpublikum als Cora in Mondscheintarif bekannt. Heute trägt sie zwei Karrieren gleichzeitig.
Mit sechs Jahren stand Grace Simon zum ersten Mal vor einer Filmkamera. Der Film hieß An Afternoon in Cologne, die Stadt war ihre Heimatstadt, und was folgte, war eine Karriere über drei Jahrzehnte und zwei Berufsfelder. Heute kennt man sie als Gruschenka Stevens, Schauspielerin und Singer-Songwriterin aus Köln.
Kurz nach diesem ersten Auftritt war sie Gastkind bei Die Sendung mit der Maus. Mit elf stand sie am Schauspielhaus Köln auf der Bühne. Was danach kam, war kein gerader Weg, sondern eine Entscheidung nach der anderen.
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Kurzprofil | Gruschenka Stevens |
| Bürgerl. Name | Grace Simon |
| Geboren | 16. Juli 1974, Köln |
| Beruf | Schauspielerin, Singer-Songwriterin |
| Ausbildung | Herbert Berghoff Studios, New York · Lee Strasberg Theatre and Film Institute (NYC, London, Los Angeles) |
| Bekannteste Rolle | Cora Hübsch in Mondscheintarif (2001) |
| Musikname | Grace Simon |
| Auszeichnung | Rose d’Or 2010, Kategorie Kinder & Jugend |
New York: Herbert Berghoff und das Lee Strasberg Institute
Mit 17 Jahren verließ sie Köln in Richtung New York. Dort trainierte sie in den Studios von Herbert Berghoff und Uta Hagen, zwei Namen, die im amerikanischen Schauspielunterricht seit Jahrzehnten für handwerkliche Strenge stehen. Anschließend besuchte sie das Lee Strasberg Theatre and Film Institute, an Standorten in New York, London und Los Angeles.
Noch während dieser Ausbildungszeit erhielt sie ihre erste Rolle in einer kanadisch-deutschen Seifenoper. Wer damals zuschaute, dürfte kaum ahnen haben können, was daraus noch werden würde.
Erste Kinorollen und der Durchbruch mit Ralf Huettner
Zurück in Deutschland kamen 1994 die ersten Spielfilmrollen. Doris Dörrie besetzte sie in Keiner liebt mich als Geliebte Nummer zwei, im selben Jahr stand sie in Voll normaaal vor der Kamera. Dörrie galt damals als die wichtigste Stimme der neuen deutschen Komödie, und selbst eine kleine Rolle in einem ihrer Filme war eine Empfehlung.
1995 ein klarerer Schritt nach vorne. Regisseur Ralf Huettner besetzte Stevens im Erotikthriller Der kalte Finger als Telefonistin Conny. Es war die erste Hauptrolle, die im deutschen Filmbetrieb wirklich wahrgenommen wurde.
1999 spielte sie in Hau ab! von Franziska Buch eine überforderte Mutter. Buch gewann für diesen Film den Max Ophüls Preis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm.
Im gleichen Jahr trat sie in Sherry Hormanns Komödie Widows auf, diesmal als Sängerin. Zwei sehr unterschiedliche Rollen in einem einzigen Jahr.
Mondscheintarif: die Rolle, die blieb
2001 erschien Mondscheintarif. Ralf Huettner verfilmte den Bestseller von Ildikó von Kürthy, und wieder war Gruschenka Stevens dabei. Sie spielte Cora Hübsch, Fotografin, Ende zwanzig, urban, mit einem sehr strengen Regelwerk für das Verhalten nach dem ersten Date. An ihrer Seite: Jasmin Tabatabai und Tim Bergmann.
Cora Hübsch wartete drei Tage auf einen Anruf. Gruschenka Stevens machte die Figur zu ihrer eigenen.
Der Film traf einen Nerv. Mondscheintarif ist bis heute die Arbeit, mit der ihr Name zuerst in Verbindung gebracht wird, und in der deutschen Romantikkomödie der frühen 2000er Jahre gehört er zu den meistgenannten Titeln. Anschließend arbeitete sie zweimal mit Regisseurin Vivian Naefe zusammen: in Verrückt ist auch normal, einem musikalischen Tragikomik-Projekt an der Seite von Dieter Pfaff, und in der schwarzen Komödie Männer in Raten.
| Jahr | Titel | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1994 | Keiner liebt mich | Regie: Doris Dörrie |
| 1994 | Voll normaaal | Als Gabi — allererste Filmrolle |
| 1995 | Der kalte Finger | Hauptrolle: Conny — Regie: Ralf Huettner |
| 1999 | Widows | Regie: Sherry Hormann |
| 1999 | Hau ab! | Regie: Franziska Buch — Max Ophüls Preis |
| 2001 | Mondscheintarif | Hauptrolle: Cora Hübsch — Regie: Ralf Huettner |
| 2003 | Verrückt ist auch normal | Mit Dieter Pfaff — Regie: Vivian Naefe |
Tatort, Cologne P.D. und ein Rose d’Or
Parallel zur Kinoarbeit lief die Fernsehkarriere. Im Jahr 2000 trat Gruschenka Stevens im Tatort auf, Deutschlands langlebigster Krimireihe. Zwischen 2005 und 2020 spielte sie in drei Folgen der Serie Cologne P.D. wechselnde Rollen.
2010 gewann die Folge Netzangriff der Kinderkrimiserie Krimi.de, in der Stevens die Figur Lena Mederling spielte, den Rose d’Or in der Kategorie Kinder und Jugend. Der Rose d’Or zählt zu den ältesten und angesehensten europäischen Fernsehpreisen.
EMI, Nashville und das Leben als Grace Simon
Was viele überrascht: Gruschenka Stevens führte gleichzeitig ein zweites Berufsleben. Auf Einladung von EMI Publishing USA zog sie nach New York, um dort mit Songwritern in der Stadt und in Nashville zu arbeiten. Kein Hobby, keine Nebenbeschichtigung, eine ernsthafte Musikkarriere.
2004 kehrte sie nach Deutschland zurück und begann ein Vollzeitstudium in Gesang und Komposition, abgeschlossen 2008. Seitdem arbeitet sie unter ihrem bürgerlichen Namen Grace Simon als Singer-Songwriterin. Aufgetreten ist sie beim 25-jährigen Jubiläum von Greenpeace, bei der Eröffnung der Designmesse im Frauenmuseum Bonn und für den Kölner Stadt-Anzeiger.
- Ca. 1980
Erste Filmrolle in An Afternoon in Cologne — sechs Jahre alt
- Ca. 1985
Theaterauftritt am Schauspielhaus Köln mit elf Jahren
- Ca. 1991
Mit 17 Umzug nach New York, Ausbildung bei Herbert Berghoff & Uta Hagen, danach Lee Strasberg Theatre and Film Institute in NYC, London und Los Angeles
- 1994
Erste Kinorollen: Keiner liebt mich (Doris Dörrie) und Voll normaaal
- 1995
Hauptrolle in Der kalte Finger, Regie: Ralf Huettner
- 1999
Hau ab! gewinnt den Max Ophüls Preis; zwei Filmrollen im selben Jahr
- 2001
Mondscheintarif im Kino: Hauptrolle als Cora Hübsch
- 2004
Einladung von EMI Publishing USA; Songwriting-Arbeit in New York und Nashville, dann Rückkehr nach Deutschland
- 2008
Abschluss des Studiums in Gesang und Komposition; aktiv als Grace Simon
- 2010
Rose d’Or für Krimi.de, Folge “Netzangriff”, Kategorie Kinder & Jugend
- 2005–2020
Wiederkehrende Auftritte in der Serie Cologne P.D. über fünfzehn Jahre
Was bleibt
Gruschenka Stevens ist 51 Jahre alt, dreht noch, und tritt unter ihrem Geburtsnamen Grace Simon als Musikerin auf. Drei Jahrzehnte Beruf, zwei vollwertige Karrieren, eine Ausbildung, die sie durch New York, London und Los Angeles geführt hat.
Dass ihr Name international kaum auftaucht, hat mit dem deutschen Markt zu tun, nicht mit dem Umfang ihrer Arbeit. Im deutschen Kino der 1990er und 2000er Jahre war sie präsent: bei Doris Dörrie und Franziska Buch, bei Ralf Huettner, der sie mehrfach besetzte, weil er wusste, was er an ihr hatte.
Mondscheintarif läuft im Fernsehen, wenn man nicht damit rechnet. Cora Hübsch wartet noch immer auf diesen Anruf. Gruschenka Stevens hat längst weitergemacht.



